von Sydney aus wuensche ich dir noch mal in dieser Form alles Liebe und Gute. Jetzt hast du an einem 22. des Monats ganze 88. Jahre vollgemacht - bei so vielen Schnapszahlen koennen wir ja nur auf dich anstossen! :-)
Halt dich noch ein bisschen so wacker, wir haben dich so gerne bei uns!
Unser Geburtstagstelefonat war wieder richtig schoen, und wie immer haben wir uns ordentlich was zu erzaehlen gehabt. Danke noch mal an Paula, die gerade bei dir war und meine Umarmung und mein Kuesschen direkt vor Ort ausgerichtet hat.
Und an dieser Stelle muss einfach auch noch ein lieber Gruss rausgehen an "die Maedels" meiner Oma: Frau Kernbach und Frau Roux. Es ist toll, dass Sie sich alle weiterhin immer freitags treffen, und schoen zu hoeren, wie gut Ihnen allen das immer tut. Ich fuehle mich wirklich zutiefst geehrt, dass auch Sie sich die Reiseberichte gerne durchlesen. Da schreibt es sich doch noch mal um einiges lieber!
So, geliebte Oma, bei mir ist mittlerweile schon der 23. Februar morgens, aber bei dir zu Hause endet dein Geburtstag gerade erst. Ich wuensche dir eine gute Nacht, und ich weiss, dass du vor dem Einschlafen noch mal den ganzen Tag in Gedanken durchgehst und dich noch mal doppelt und dreifach ueber alles freust, was du heute erlebt hast.
Nachdem ich mir jetzt das ganze Internet durchgelesen habe, hoffe ich, dass es dieses Gedicht war, das du meintest (fuer alle anderen: ein vielgeliebter Gedichtband ist mittlerweile abhanden gekommen, und er enthielt ein tolles Gedicht ueber ein Gluehwuermchen). Wenn es das richtige ist, bin ich hoffentlich die Enkelin des Monats Maerz! ;-)
Fataler Irrtum
Die Ärmchen dick mit Mull verbunden, ein Glühwurmmännchen traurig saß,
auch war sein Bäuchlein arg zerschunden, bis in die Fühler war er blass.
Die alte Feldmaus, Emma Klette, kam grad auf einen Klön vorbei
und sagte: »Anatol, ich wette, du warst bei einer Schlägerei!«
»Ach, Unsinn,« sagte der Blessierte, »ich hasse Brachialgewalt.
Nimm Platz und höre was passierte! Es hat den Anschein, ich werd' alt!
Vorgestern streifte ich gemütlich, still vor mich leuchtend durch den Hain,
Vorgestern streifte ich gemütlich, still vor mich leuchtend durch den Hain,
da sehe ich, unsagbar niedlich, ein Glühwurmmädchen, dessen Schein.
So magisch, wie ich's nie gesehen. Der Abendstern war nie so schön.
Da ist es gleich um mich geschehen, ich musste einfach zu ihm gehn.
Jedoch anstatt, wie Faust zu fragen, als er das Gretchen einst entdeckt:
»Mein schönes Fräulein, darf ich's wagen?« Ich tat es nicht, ich war verrückt.
Von Sinnen brachte mich die Kleine, ich war verliebt, aus Rand und Band,
Ich dachte: Diese oder Keine, gleich hat die Gier mich übermannt.
In meinen schon gesetzten Jahren, da sieht man nicht mehr so genau.
Ich sah nur auf den wunderbaren Karfunkelstein, der süßen Frau.
Von hinten hab ich sie umschlungen und presste fest sie an mein Herz,
doch gleich bin ich zurückgesprungen, ich fühlte einen wilden Schmerz.
Ich warf mich in das Moos und stöhnte, spät wurde mir der Irrtum klar,
dass nämlich die von mir Erwählte: Ein Zigarettenstummel war!«
Robert T. Odeman
Es drueckt und herzt dich aus dem fernen und aufregenden Sydney
Deine Lissa

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