Wellington - endlich in der Hauptstadt!
Vom bekannten Reisefuehrer Lonely Planet betitelt als "Coolest little capital in the world", liegt Wellington ganz im Sueden der Nordinsel. So ungefaehr jeder Lufthauch scheint sich hier zu sammeln, und so fegt ein starker Wind durch die Strassen, der der Stadt ihren Spitznahmen "Windy Welly" eingebracht hat.
Und so gestalteten sich Anreise und Aufenthalt hier:
Montag, 23. Januar:
Morgens hatte ich in Nelson noch massig Zeit und habe in der Sonne Neuseelaendische Kirschen gefruehstueckt. Ah, Urlaub. Mit dem Bus ging es dann nach Picton, und ausnahmsweise war es mal eine kurze Fahrt. In Picton legt die Faehre nach Wellington ab. Mit der Faehre ging es dann die naechsten gut drei Stunden ueber den Cook Strait. Wir hatten starken Wellengang, und so mussten wir wasserliebenden Passagiere vom obersten Deck wieder ziemlich bald runter. Auf dem Schiff mussten sich auch einige Fahrgaeste uebergeben oder hingen matt in den Sesseln und hatten alle Gesichtsfarben, die man sich vorstellen kann (nur keine gesunde). Meines schoenen Aussichtspunktes oben auf dem Deck beraubt, nahm ich in der Lounge Platz neben einer sehr netten Frau, mit der ich mich fast angefreundet habe. Und die war wirklich mal Neuseelaenderin! Sonst trifft man ja hier fast nur Europaeer. Jedenfalls tauschten wir unsere Reiseerfahrungen aus und stellten fest, in wie vielen Punkten wir doch uebereinstimmten. Da sie aus Christchurch war, erzaehlte sie auch einiges von den Erdbeben. Da ich in Christchurch fast keine Neuseelaender getroffen habe, habe ich es hier auf dem Schiff nachgeholt: Meine Mutter hatte mich gebeten, den Christchurchlern ihr aufrichtiges Beleid zu ueberbringen, was ich hiermit endlich tun konnte. Ich glaube, die Frau hat sich echt gefreut und erzaehlte direkt noch mehr Erdbebengeschichten. Welch ein Meilenstein der Voelkerverstaendigung!
In Wellington ging es dann mit dem Bus in die Innenstadt, und von dort aus zu Fuss zum Hostel. Das Hostel war im Reisefuehrer als besonders schoen gelobt worden, und so hatte ich fuer zwei Naechte reserviert. Als ich da war, bin ich rueckwaerts wieder rausgegangen. Ich fand's furchtbar. Bitte vermeidet das Rosemere's Backpacker Hostel. Ueberall hingen ungewaschene Alternative aus bildungsfernen Schichten herum, und einer ruelpste doch tatsaechlich laut und grunzte irgendwas in meine Richtung. Oh Mann. Aber genau dafuer sieht mein Reisebudget den "Rettungsfonds Hotel" vor. Ich habe nur fuer eine Nacht bezahlt (die nicht mehr stornierbar war) und statt des ersten Zimmers ein Maedchenzimmer gefordert, was ich dann auch bekommen habe. Dann bin ich raus in die Stadt gegangen und habe Wellington erkundet. Endlich wieder eine Grosstadt. Die Nacht ging auch, und ich war mittlerweile einfach echt muede, sodass ich einfach schlafen wollte. Es war im Hostel ziemlich laut, und man konnte fast meinen, die Leute stuenden extra auf den Gaengen und knallten einfach nur die Tueren. Wenn ich schlafe, schlafe ich, von daher hat es mich nicht lange beschaeftigt. Trotzdem hatte das Hostel irgendwie keine gute Ausstrahlung, wenn man das ueber ein Hostel so sagen kann. Beim ersten Sonnenstrahl stand ich mit meinem Gepaeck schon wieder draussen und zog in das Hotel am Ende der Strasse, was ich am Vorabend schon festgemacht hatte. Das gute Abel Tasman Hotel in Wellington!
Dienstag, 24. Januar:
Nachdem ich alles im Hotel abgestellt hatte, ging es weiter zum Beehive ("Bienenkorb", siehe Foto ganz oben) und den restlichen Regierungsgebaeuden. Ich bin den Lambton Quay und die Featherston Street rauf und runter gelaufen und habe mir die Geschaefte angeguckt. Essen war ich spontan im Chow, das so voller Leute war, das ich fast keinen Tisch bekam, und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Menue bestellt. Normalerweise ist das fuer mich nichts, aber hier gab es einen superleckeren Cocktail (Mineralwasser, Eiswuerfel, Limetten, Minze und Granatapfelsirup) und einen unglaublich leckeren Salat (Orange-Pistazie, aber der Name wird dem Salat nicht gerecht) sowie ein Tofu-Curry mit Reis. Das Restaurant hatte mit vegetarischer Ernaherung nichts am Hut, aber das gab es da eben alles. Zum Nachtisch gab es eine Art Kokosmilchreis mit Ananas. Auch, wenn es vielleicht verfrueht ist, moechte ich den Award fuer das beste Essen auf dieser Reise an diesen Salat vergeben. Hammer. Also, immer da hingehen, wo alle sind. ;-)
Danach hab ich im Hotel ein bisschen gechillt und mir Bill Clinton im Fernsehen angeguckt, der fuer bessere Kinderernaehrung und generell vegane Ernaehrung warb (die ihm seine Herzgesundheit wiedergegeben hat). Gut so, Mr. President!
Als ich eingelullt vom Praesidenten genug vor dem Fernseher versackt war, bin ich in die andere Richtung losgezogen und dabei auf einen grossen Bioladen gestossen. Dort gab es zu meiner Ueberraschung die Bambuszahnbuersten, die unsere australischen Freunde im Obstforum schon mal erwaehnt haben (siehe Foto). In Europa habe ich die noch nie gesehen. Ich glaube, ich habe mir am ersten Tag ca. 26 Mal die Zaehne geputzt und am zweiten Tag bestimmt auch noch 17 Mal. Ein voellig anderes Mundgefuehl - so sauber und natuerlich. Und zu allem Ueberfluss ist die Zahnbuerste auch noch kompostierbar! Ein Traum. Wenn ich mein Paket nach Hause schicke, kommen sicher noch ein paar Zahnbuersten mit dazu. Kris, Nina und Frau Hase, ihr bekommt fuer eure super Reisetipps ja alle noch eine Postkarte. Wenn ihr moechtet, bekommt ihr so eine Zahnbuerste dazu! Die gefallen euch bestimmt.
Abends habe ich im Hafen Kirschen gegessen, dann spaeter Reisnudeln beim Asiaten und bin dann ins Kino gegangen. Ich habe mir Meryl Streep in ihrer Rolle als "Iron Lady" angesehen. Ich fand's super.
Was fuer ein Tag.
Mittwoch, 25. Januar:
Heute war mal wieder ein tired day. Ich bin so richtig muede gewesen. Um nicht irgendwann vor lauter Programm all meine Energie aufzubrauchen, habe ich (trotz schlechten Gewissens) den Tag fast nur im Hotel verbracht. Ich habe all meine Quittungen sortiert (wohlgemerkt: nicht bearbeitet, nur sortiert ...), mein Gepaeck aus- und aufgeraeumt, Waesche gewaschen, mir Barack Obamas "State of the union address" angesehen samt aller Berichterstattung, war 2x einkaufen und habe abends die Castingshow X-Factor mit meinem Jungendstar Mel B als Jurorin angeguckt. Sonst war bei mir heute nichts los.
Donnerstag, 26. Januar:
Dank all des Ausruhens war ich heute wieder fit. Ich habe im Internetcafe die Reisebuchungen fuer die naechten Tage gemacht und bin dann wieder in die Stadt gegangen. Eigentlich wollte ich nur den botanischen Garten sehen, aber die spontanen Sachen sind ja doch meistens die besten. Ich kam an einer Kirche vorbei, die plakatierte, dass sie offen fuer Menschen aller Glaubensrichtungen und sonstigen Einstellungen sei. Ich fand das sehr weltoffen und trat ein. Drinnen war gerade ein Workshop im Anfangen begriffen, aber auf Nachfrage durfte ich auch ohne Anmeldung mitmachen. Hurra! Der Workshop behandelte das Thema "Alleinerziehende Vaeter" als Unterpunkt zum Gesamtthema Kindererziehung. Die Ansage macht Sarah, deren Kind bunte Socken trug, auf der Buehne rumhampelte und ihr staendig ins Mikro griff. Man darf wohl weiterhin gespalten sein, was Erziehung angeht. Trotzdem war der Vortrag eines engagierten Vaters ganz interessant, und der Herr stellte begeistert den "Father & Child Trust" vor. Er stellte auch die Vertreter aus anderen Staedten vor, die verschaemt aufstanden und von den anderen Besuchern beklatscht wurden. Man sieht, es geht was in Wellington.
Als ich genug hatte, ging es fuer mich weiter zum botanischen Garten. Gaerten sind einfach immer schoen, und so schlenderte ich dort lange herum. Als ich den gesamten Huegel erklommen hatte, bin ich mit dem Cable Car (siehe mittleres Bild oben) wieder heruntergefahren. Es gibt mehrere Haltestellen, aber das jetzt klingt groesser, als alles ist. Die Haltestellen liegen vielleicht 100m auseinander. Nach 4 Minuten waren wir wieder unten. Naja, Touristenattraktionen eben.
Abends war ich im ersten "richtigen" vegetarischen Restaurant meiner Neuseelandreise. Hier gibt es nichts anderes. Im "Aunty Mena's" (Tante Menas Restaurant) trifft sich alles, was meditiert, bewusst isst, Tiere schuetzt oder Yoga macht. Das Essen ist komplett vegan und kocht sogar ohne Knoblauch und Zwiebeln (im Yoga gelten diese als aufputschend, glaube ich). Das gesamte Kochteam guckte auch sehr frisch und aktiv aus der Waesche. Ich habe mich noch etwas mit dem Kellner unterhalten, der mir erzaehlte, dass das Restaurant vor ein paar Jahren noch vegetarisch gekocht habe (so wie das Schild draussen es auch andeutete), aber seitdem auf vegan umgestiegen sei, "weil ja mittlerweile fast jeder Veganer sei". Die Statistiken sprechen noch eine andere Sprache, aber schoen, dass der Zuwachs der letzten Jahre hier so spuerbar ist.
Und das war Wellington! Eine schoene Hauptstadt, wenn auch klein und mit kaum mehr Einwohnern als meine Heimatstadt. Eben the coolest little capital in the world. :-)
Weiter ging es am naechsten Tag zum Lake Taupo, siehe naechster Blogpost.
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| Auf der Überfahrt von Picton nach Wellington. |
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| Durch die
Scheibe ist es mir all den Pfählen etc. blöd zu sehen, aber im
Hintergrund sieht man die hügeligen Inseln im Cook Strait. |
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| Auf Deck war es super. Der Wellengang wurde nur irgendwann so stark, dass wir wieder runter mussten. |
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| Dieses Bild soll nur verdeutichen, dass man hier ständig "heaps" sagst statt "lots of" o.ä. |
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| Das Fährterminal in Wellington. |
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| Das Plakat im furchtbaren Hostel, aus dem ich abgehauen bin. |
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| Obst ist optimal. Das hier war aber besser als nichts! |
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| Dieses Bild ist ausschließlich für meine Schwiegermutter entstanden. Herr Clooney sieht auf dem Bild aber auch wieder gut aus! |
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| Dieses Bild
soll zeigen: Kostüm und Flip-Flops! Die Neuseeländer mögen es bequem und
ziehen ihre Flip-Flops wieder an, sobald es geht. |
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| Die Regierungsgebäude. |
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| Der Beehive. |
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| Der neuseeländische "Christmas Tree" |
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| Sieht aus wie entsteinte Oliven. Weiß jemand, was das ist? |
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| Siehe links im Bild: Das "Chow", das beste Restaurant überhaupt. ;-) |
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| Das Chow von innen. |
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| Der Award-verdächtige Salat. |
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| Ein toller Bioladen! Dort habe ich die erste Bambuszahnbürste gekauft. |
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| Das Kind und
der Hund hier waren zu lustig. Man wusste nie, wer wen zieht. Ich habe
bestimmt 10 Minuten nur zugeguckt, und viele andere Passanten auch. |
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| Drei verschiedene Sorten Gurken! Die Apple Cukes habe ich probiert, fand an ihnen aber ehrlich gesagt nichts Spezielles. |
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| So viele Milchalternativen! |
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| Mein Lunch. |
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| Ausblick auf Wellington von der obersten Station des Cable Cars. |
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| Noch mal: Es ist kein Obst, aber es ist besser als nichts. |