die naechste Stadt, das naechste Update! Genaugenommen bin ich sogar schon eine Stadt weiter als Christchurch: Dunedin, weiter suedlich auf der Suedinsel. Christchurch wurde in den letzten Monaten von mehreren Erdbeben erschuettert, und dadurch wurden auch alle drei Internetcafes dem Boden gleichgemacht. Man kann nur noch in der Bibliothek online gehen, und da auch nur fuer 30min. Von daher habe ich mir die Muehe gespart und gehe jetzt hier erst wieder online.
Christchurch ist wirklich noch im Ausnahmezustand. Eine gewisse Ruhe ist wieder eingekehrt, aber das Erdbeben vor Weihnachten hat noch mal einiges dem Boden gleichgemacht. Die allermeisten Geschaefte sind jetzt in die Aussenbezirke gezogen, und an fast jeder Fassade haengen Plakate, die sich auf das Erdbeben beziehen. Mal enthalten sie aufmunternde Parolen, mal Meinungsaeusserungen dazu, wie Christchurch jetzt wieder aufgebaut werden sollte. Praesent sind das Erdbeben und seine Folgen ueberall.
Aber erst mal der Reihe nach.
Erst mal freue ich mich wahnsinnig, dass so viele mitlesen, wie ich per Telefon erfahren habe. Haette ich nicht gedacht. Die Gruesse von zu Hause haben mich wirklich sehr aufgemuntert! :-) Und da ich ja wegen der Virengefahr fuer die Kamera noch keine Fotos einstelle, werde ich mich bemuehen, besonders fuer die Oma die Landschaft hier moeglichst genau zu beschreiben. Die Oma haette von den Fotos ohnehin wenig, also passt das ja. Liebe Gruesse besonders an dich, Oma, ich weiss, dass du die Reise geistig mit mir machst!
Dann muss ich mich noch bei meinem Onkel Rolf entschuldigen, den ich ueberhaupt nicht konsultiert habe, bevor es nach Thailand ging. Dabei haette er mir so viel erklaeren koennen! Er hat dort jahrelang gearbeitet (und nicht nur da, sondern weltweit). Rolf, ich hatte das gar nicht mehr so praesent. Bei der naechsten Familienfeier muessen wir dann mal Thailand-Erfahrungen austauschen!
Und jetzt chronologisch:
Nachtrag zu Sonntag, 8. Januar:
Ich habe letztens ganz vergessen, zu Bangkok noch etwas zu erzaehlen. Der Portier fand mich naemlich unglaublich spannend. Entweder das, oder es versuchen mittlerweile auch thailaendische Maenner, nach Deutschland zu kommen. ;-) Er hatte immer wieder Fragen und hob sich staendig an meinem Rucksack fast einen Bruch, weil er unbedingt helfen wollte. Bei meiner Abreise kam er dann an und gab mir ganz verschaemt seine Emailadresse. Ich sollte ihn anmailen, damit er mich auf dem Rueckweg abholen kann, wenn ich wieder in Bangkok bin. Dann muesste ich kein Taxi nehmen. Ich war sehr geruehrt. Dann meinte er euphorisch "And I bought you an elephant!". Ich fragte vorsichtig nach, und es stellte sich heraus, dass es sich um einen Souvenirelephanten handelt. Andere Kulturen - wer weiss? Ich sah mich schon auf einem Elephanten zum Flughafen reiten. :-) Auch, wenn ich wahrscheinlich auf das liebe Angebot nicht zurueckkommen werde, finde ich es doch schoen, in Bangkok eine weitere Anlaufstelle zu haben. Wer weiss, wann man mal Hilfe braucht und dann vielleicht froh ist, wenn man auf jemandes Angebot zurueckkommen kann.
Von Bangkok ging es dann nach Melbourne, Australien. In australische Fluegzeuge duerfen uebrigens sein einiger Zeit keine Wasserflaschen mehr mitgenommen werden, auch nicht die, die man erst nach dem Sicherheitscheck gekauft hat. Gut, dass ich mir fuer den langen Flug 2,5 Liter gekauft hatte. Zur Strafe habe ich dann auf dem Flug aber auch die Crew gejagt wie ein Kleinkind seine Eltern: "Herr Flugbegleiter, ich hab schon wieder Durst" - "Ah, Sie schon wieder ... ja Moment, ich hole Ihnen was". Man muss gerade auf Langstreckenfluegen viel trinken. Die Klimaanlagen trocknen der Koerper stark aus.
Montag, 9. Januar:
Am Montag kam ich in Melbourne an, und nachdem ich den letzten Blogeintrag gemacht habe [zu Benjamins Geburtstag :)], habe ich im Hostel eingecheckt. Ich kam mir mit 30 ja wirklich bloed vor, das zu sagen, aber ich habe den netten jungen Herren an der Rezeption gebeten, mir ein moeglichst Zimmer mit Leuten in meinem Alter zuzuteilen. Er grinste und gab mir einen Schluessel. Das Zimmer war offenbar bewohnt von drei jungen Maennern. Schuhe sind da ja sehr aufschlussreich. Ich hatte die Nacht nicht geschlafen und war dementsprechend muede und machte mich daher schon gegen 18:00 Uhr Ortszeit fertig fuer's Bett. Als ich gerade lag, kam dann die versammelte Mannschaft rein: Simon und Marcel aus Osnabrueck und im Schlepptau Gerrit aus Krefeld. Wie international man hier auch sein will, Deutsche verfolgen einen auf Schritt und Tritt. Und jeder hat hier nur einen kurzen Aufenthalt, und die meisten Gespraeche drehen sich um die besten Reiserouten und die lohnenswertesten Sehenswuerdigkeiten. So ist es, das Backpacker-Leben.
Und mir daemmerte, dass mir die Idee mit der Reise vergleichsweise spaet kam. Der Rest der Deutschen scheint direkt nach dem Abitur aufgebrochen zu sein.
Waehrend die drei noch ihr Abendprogramm diskutierten, warnte ich sie, dass ich fuer den Flug nach Christchurch frueh raus muesste. Ich habe schon nicht mehr mitbekommen, dass sie gegangen sind - ich bin einfach mitten im Gespraech eingeschlafen, nachdem ich fuenf Minuten nur zugehoert hatte und auch niemand mehr konkret in meine Richtung sprach.
Der gute Mann an der Rezeption sollte wirklich Recht behalten. Die Jungs waren sehr wohlerzogen und haben sich echt ruhig verhalten. Und keiner hat geschnarcht.
Dienstag, 10. Januar:
Ich wachte auch ohne Wecker frueh auf, nachdem ich fast 12h geschlafen hatte. Beim Checkout diskutierte ich mit der Dame an der Rezeption, an welche Staedte Melbourne einen erinnert. Sie meinte Vancouver (was ich nicht kenne), ich finde Washington. Auf jeden Fall in Melbourne laut den Melbournern Sydney kulturell weit ueberlegen. Angeblich kommen die Leute aus Sydney hierher, um sich unterhalten zu lassen. Die Stadt ist echt schoen, und ich bin froh, dass ich am Ende noch mal hierher komme. Die vielen gruenen Parks, die Bruecken, die Cafes, die offene Bauweise, die sanften Huegel - Melbourne ist einfach schoen.
Am Flughafen waren elend viele Kontrollen, und am besten haelt man seinen Reisepass und seine Tickets die ganze Zeit ueber in der Hand.
Der Flughafen in Melbourne ist echt schoen. Man ist irgendwo ausserhalb der Stadt, aber man koennte auch viel weiter weg sein. Als wir auf unseren Flug warteten, kam ich mir echt vor, als waeren wir paar Mann die einzigen Menschen weit und breit. In Australien ist wirklich viel Platz, und man konnte kilometerweit einfach ueber trockene Wiesen in die Ferne blicken.
Auf dem Flug lernte ich einen Briten kennen, der seit Jahren in Queenstown lebt. Ueberhaupt leben viele Auslaender in Neuseeland. Er meinte, er kenne viel mehr Auslaender als richtige Kiwis. Er erklaerte mir, dass der beste Weg zum Einwandern sei, erst mit einem Arbeitsvisum zu arbeiten, und dann nach ueberstandener Probezeit ein richtiges Visum zu beantragen. Nur, falls es jemanden interessiert. :-)
In Christchurch habe ich dann, so glaube ich, als einzige den Zoll korrekt durchlaufen. Ich habe die Zollbeamten ganz wuschig gemacht, was ich alles nach Neuseeland einfuehren werde. Bienenprodukte? Ja, mein Lippenpflegestift enthaelt ein bisschen Bienenwachs (voll unvegan, ich weiss). Nuesse? Ja, ich habe die Tuete Cashews zwar leer gegessen, aber Reste sind noch drin. Obstprodukte? Trockenobst vom dm, was aber noch ungeoeffnet ist. Die Beamten mussten lachen und winkten mich unbeeindruckt durch. Ja toll, wenn das ihre Sicherheitskontrollen sind, dann muessen sie sich nicht wundern, wenn sie sich fremde Keime einfangen. Wer passt hier auf wen auf? Die Ordnungshueter auf die Touristen oder die Touristen auf die Ordnungshueter?
Mit dem SkyBus ging es dann zum Hostel. Das Old Countryhouse ist wirklich sehr niedlich. Ich bekam meinen Schluessel zum Einzelzimmer (Jetlagvorsorge) und dampfte gluecklich ab. Im Zimmer stellte ich dann fest, dass es ziemlich hellhoerig ist. Und dass ausser einem Bett und einem kleinen Papierkorb nichts im Zimmer ist. Nicht mal ein Haken an der Wand! Ich bin mir nicht sicher, wie man sich dort einrichten sollte. Sicherheitsbewusste kettete ich meinen Rucksack mit zwei Schloessern an die Heizung. Mein Gefuehl sagt mir, dass meine Sicherheitsmassnahmen im Laufe der Reise ein wenig nachlassen werden, weil es schon einen gewissen Aufwand bedeutet. Aber am ersten Tag verrammelte ich mein Gepaeck jedoch nach allen Regeln der Kunst. Jeder Dieb waere ob meiner Vorkehrungen verzweifelt wieder weggerannt.
Kueche und Bad waren Gemeinschaftsraeume, und ich muss sagen, dass das fuer mich schon eine gewisse Ueberwindung bedeutet hat. Es herrscht einfach so enie gewisse Ballermann-Stimmung, und alle scheinen 10 Jahre juenger zu sein als ich und ausserdem angetrunken. Das Erste, was ich in der Kueche sah, war ein roetlich verbrannter Brite (?) mit Bierflasche. Zum Glueck habe ich den Typen aber danach nicht mehr gesehen, und selbst da schien erst ganz ertraeglich zu sein.
Stattdessen lernte ich sehr schnell Jasmin und Lisa kennen, zwei supernette Maedels, die gerade Abitur gemacht haben und jetzt mit einem Freund durch NZ touren. Wir haben uns viel unterhalten, und ueber die beiden habe ich viel ueber das Leben hier gelernt: Wie ihre Jobs waren und wie entspannt die Chefs hier die Arbeit sehen; Dass die Sekretaerin oefter im Schlafanzug zur Arbeit kam, weil man das hier machen kann (echt jetzt); Wo man sinnvollerweise einkauft; und zuletzt, welche der Sehenswuerdigkeiten nach dem Erdbeben ueberhaupt noch zugaenglich sind (eher wenige). Das meiste ist leider wirklich zerstoert worden.
Mittwoch, 11. Januar:
Jasmin und ich haben bis ca. 15:00 Uhr gequatscht (ich war aber auch erst um 12:00 Uhr wach), und dann bin ich los in die Stadt. Ah, der Geruch! Christchurch riecht ganz toll. Einige Haeuser hatten Jasminbuesche in ihren Gaerten, und Linden bluehten auch. Der Geruch war wirklich den gesamten Fussweg in die Stadt zu riechen. Ansonsten sieht Christchurch sehr europaeisch aus und ist wohl dem englischen Stil nachempfunden. Mir kommt es teils auch franzoesisch vor, was auch gut sein kann, denn die Franzosen haben die Suedinsel auch mal besiedelt und wollten sie fuer sich. Sie mussten sich den Briten aber - mal wieder - geschlagen geben.
Ich war im Hagley Park und im botanischen Garten, die beide wirklich wunderschoen sind. Die Gemeinde hat dort wirklich Geld investiert. Vor allem der Rosengarten ist toll - dort habe ich einige Bilder verknipst, und fast an der Rose einzeln gerochen. Die beiden Parks (Hagley Nord und Hagley Sued) und der botanische Garten sind sehr weitlaeufig und eignen sich fuer alle Sportarten. Es war den britischen Siedlern damals wichtig, hier alles ausueben zu koennen, worauf man Lust haben koennte. Gross genug ist die Flaeche allemal! Und es sind dort viele Jogger unterwegs. Trotzdem hat man dort sehr viel Platz fuer sich. NZ hat nicht so viele Einwohner, und man hat einfach viel der Natur und auch der Stadt fuer sich selbst.
Wieder im Hostel, stellte ich fest, dass der Steckdosen-Adapter, den ich mitgenommen hatte, ueberhaupt nicht in die oertlichen Steckdosen passte. Wie unguenstig. Netterweise hat mir Lisa ihren Adapter geliehen, sodass ich mein Handy wieder aufladen konnte. Seht ihr, es lohnt sich, Leute zu kennen. :-)
Ausserdem empfahl mir Lisa noch, die Stadt Dunedin auf jeden Fall zu sehen. Jetzt, da ich hier bin, weiss ich, was sie meint. Solche Tipps sind viel wert. Selbst aus dem besten Reisefuehrer geht nicht alles hervor.
Donnerstag, 12. Januar:
Nach der Waesche und ein paar Anrufen zu Hause habe ich vormittags einen weiteren Trip in die Innestadt unternommen. Viel ist davon leider wirklich nicht mehr uebrig. Das Zentrum ist als "Red Zone" gekennzeichnet, die niemand betreten darf. Es ist noch zu gefaerhlich und die weitere Einsturzgefahr ist noch zu gross.
In einem Campingladen bekam ich dann einen Adapter fuer Australien und Neuseeland, und ich kam bei der Gelegenheit auch mit dem Besitzer ins Gespraech. Er erzahlte, dass bis April alles wieder soweit zugaenglich sein soll, und dass der gesamte Aufbau etwa 10 Jahre dauern solle. Die Christchurcher haben eine bewundernswerte Haltung und lassen sich echt nicht unterkriegen.
Spaeter bin ich dann auf dem Avon (der Fluss in Christchurch) mit einem kleinen Boot gefahren, bzw. gefahren worden. Es gibt dort im flachen Wasser kleine Gondeln wie in Venedig, und auch so aehnliche Gondoliere. Meiner dachte, ich kaeme aus Kanada. Ich finde es immer wieder schoen, wenn Leute mich sprachlich nicht so ganz einordnen koennen. Ich bemuehe mich immer von Herzen um einen einigermassen einheitlichen US-amerikanischen Einschlag, aber es gelingt mir nie so ganz. Ohne Phonetiktrainig ist es vermutlich auch schwierig. In dem Campingladen war auch noch ein Israeli, der dachte, dass ich Britin waere. Der Besitzer des Ladens ist Brite, und vermutlich bin ich daher wieder in ein eher britisches Englisch gefallen. Ach ja, ich muss wirklich Aussprachetraining bekommen! Ich habe dazu in Duesseldorf nur noch nie Kurse gefunden.
Zurueck zur Bootsfahrt: Der Gondoliere (eigentlich: der "Punter") erklaerte uns, dass Avon das keltische Wort fuer Fluss ist, und dass die Neuseelaender mit "Avon river" eigentlich zwei Mal dasselbe sagen. Ausserdem zeigte er uns die sogenannten Tauch-Enten. Normale Enten strecken ihren Po gen Himmel, wenn sie nach Essen tauchen. Die Tauchenten verschwinden aber komplett im Wasser, daher der Name. Die Fahrt war sehr entspannend und richtig schoen. Man hat von dort doch eine ganz andere Perspektive. Ausserdem hoerten wir bald ein Plaetschern, und unser Punter sagte, dass das die lokale Quelle sei. Es sei die zweitbeste Quelle der Welt. Und die Beste? Evian, Frankreich. Die Christchurcher sagen lachend, dass sei bei so bekannter Konkurrenz damit leben koennen, nur auf Platz 2 gelandet zu sein. Ueberhaupt: Durch die Naehe zum Meer hat fast jede neuseelaendische Stadt sehr gute und frische Luft. Und Christchurch hat dazu dieses total leckere Leitungswasser. Vermutlich muessen die Laeden in Christchurch nur selten Wasser verkaufen. Wer kauft das schon, wenn man fast Evian-Qualitaet aus dem Wasserhahn bekommt?
Auf dem Rueckweg war ich in einem der vegetarischen Restaurants. Das Lotus Heart ist von Schuelern von Sri Chinmoy (wieder) errichtet worden. Nicht, dass ich den besonders gut kenne, aber in Heidelberg hatten wir auch so ein Restaurant von seinen Schuelern, in dem ich oefter war. Auf dem Kassenbon stand "Es bediente Sie Suradhuni", was mich doch echt zum Schmunzeln brachte. In Heidelberg habe ich damals einen Meditationskurs mitgemacht, und da stellte sich die Leiterin folgendermassen vor: "Hi, ich bin die Vashanti. Ich richtigen Leben heisse ich Ute". Sowas hat seine ganz eigene Komik. :-)
Das Lotus Heart ist jedenfalls wunderschoen, und vor allem auch gut besucht! Es waren alle Altersklassen vertreten, was ich ungewoehnlich fand. Eine der Bedienungen meinte beilaeufig: "Ich stell schon mal das Schild weg, heute gibt es wieder ein Erdbeben". Ich schaute geschockt von meiner vollwertigen Suppe auf - Erdbeben? Sie sagte das in demselben gelassenen Ton, in dem unsereins auf die Terasse blickt und sagt: "Ich hole schon mal die Polster rein, es soll nachher noch regnen".
Abends telefonierte ich dann mit Bernd, und dann bebte die Erde wirklich. Am naechstag Tag habe ich erfahren, dass es eine 4.6 auf der Richterskala war. Und ich war dabei - Hurra! Gemerkt hat man aber nur, dass auf einmal fuer drei Sekunden der Boden wackelte. Und im Hostel wurde ich auch umgehend darueber unterrichtet, dass es sich um ein Nachbeben (after shock) handelte, und nicht um ein richtiges Erdbeben (earthquake). Na toll. Jedenfalls koennen die Nachbeben noch bis zu zwei Jahre nach dem ersten richtigen Beben kommen. Was bin ich froh, dass ich jetzt schon aus der Zone raus bin. Andererseits: Ganz Neuseeland ist verlgeichsweise stark erdbebengefaerdet, und die Kiwis lassen im Small Talk fallen, dass Wellington bald mal wieder dran sein muesste. Nun dann, wir werden sehen. Aus diesem Grunde haben die ersten britischen Siedler die beiden neuseelaendischen Inseln auch "Shaky Islands" genannt - die wackeligen Inseln.
Freitag, 13. Januar:
Da ich laenger in Christchurch geblieben bin, als zuerst geplant, musste ich heute in ein Mehrbettzimmer umziehen.
Morgens frueh ging es mit dem Bus nach Akaroa auf die Halbinsel, die direkt bei Christchurch liegt. Die Fahrt war toll, und unser Fahrer Graham ist der Grund, dass ich bisher die ganze Zeit so elegant all die kleinen Infos ueber Neuseeland einfliessen lassen konnte. So wie auch unser Punter/Gondoliere war unser Fahrer ganz toll: Routiniert genug, um seinen Text gut und routiniert vortragen zu koennen, aber nicht zu ueberlaufen und verbraucht von Touristenstroemen, als dass er das Ganze lustlos runterspulen wuerde. Einfach genau richtig, und mit vollem Herzen dabei. Sehr schoen!
Dann hatten wir ein wenig Freizeit, und diese habe ich genutzt, um auf einem Steg im Pazifik meine ersten lokalen Goldkiwis zu essen. Wichtig: Auf Englisch muss man sie immer Kiwi-Fruechte nennen, also "kiwi fruit". Die Kiwis sind hier die Neuseelaender selbst, und sie graemen sich sehr, wenn man sie mit der gelben Frucht verwechselt. Die Kiwifruechte waren dann auch ganz toll, und sehr suess.
Um 13:30 Uhr ging dann eine beeindruckende Hafenrundfahrt los. Ich kann sowas echt empfehlen. Man sieht Dinge, die man nur vom Wasser aus sehen kann, und fuer die man auch wissen muss, wo genau man hinfaehrt.
Wir haben alle drei wilden Wassertiere gesehen! Ich fand toll, dass unser Kapitaen die Tiere so respektiert hat. Wenn er merkte, dass wir zu nah dran waren, und die Tiere nervoes wurden, sind wir wieder weggefahren. Man muss Tiere schon moegen, wenn man dafuer 50 Touristen wieder von ihrer Attraktion wegfaehrt. Eine ganze Gruppe von kleinen Delfinen war die ganze Zeit bei uns. Es handelt sich dabei um die kleinsten Delfine der Welt. Offenbar hatten sie richtig Spass. Der Kapitaen meinte, er haette noch nie erlebt, dass sie so lange beim Boot bleiben. Dann haben wir noch einen mini-kleinen Pinguin gesehen, der sich aber nur kurz zeigte. Und der echt sehr klein war: Helen, unsere Bootsbegleiterin, musste jedem von uns genau zeigen, wohin wir im Wasser gucken sollen. Find mal im blauen Wasser einen blaugrauen Pinguin in Groesse eines Dackels! Ausserdem hatten die Robben gerade Nachwuchs bekommen. Die waren niedlich, sage ich euch. Ueberall krabbelten ganz kleine Robben herum. Ich habe mehrere Fotos gemacht und freue mich schon, wenn ich sie endlich online stellen kann.
Ansonsten habe ich auf der Fahrt noch Vikky aus der Naehe von Edinborough kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und sehen uns vielleicht in Queenstown wieder, meine naechsten Station. Dort sind wir beide zufaellig am Montag und Dienstag.
Zurueck von der Tour nach Akaroa war ich noch mal im Lotus Heart, wo es ein tolles Abendessen gab.
Im Hostel haben Jasmin und ein paar andere Backpacker sowie meine Wenigkeit noch ein paar Runde Uno gespielt, waehrend der Trockner meine Outdoorkleidung trockenschleuderte. Das Hostel-Leben ist nicht immer meins, und komfortabel ist es auch nicht immer, aber oft hat es auch was.
Im Mehrbettzimmer habe ich dann wieder echt gut geschlafen. Wenn man nicht so ganz alleine ist, kann das auch ganz angenehm sein. Gerade, wenn die Erde beben koennte. Ausserdem sind meistens alle muede vom Tag und schlafen durch, und selbst, wenn jemand spaeter kommt oder frueh aufsteht, bemuehen sich alle, ganz leise zu sein.
Samstag, 14. Januar:
Heute Morgen ging es sehr frueh raus. Ich musste mit Sack und Pack eine knappe Stunde zu Fuss zum Bus nach Dunedin gehen. Ging aber. Das Gewicht der Rucksaecke ist ertraeglich. Mit dem beruehmten "Naked Bus", den man hier kennt, vorbucht und dann mit ihm faehrt, ging es heute Morgen nach Dunedin. Die Landschaft ist wunderschoen. Man fuehlt sich wirklich wie am Ende der Welt. Hier ist einfach niemand! Alles ist ueppig und gruen, und es erinnert mich an Frankreich. Unsere heimischen Baeume sieht man hier, und ausserdem viele Schafe, und sonst Kuehe und die ein oder andere Ziege. Die Fahrt zog sich ganz schoen - nach 6 Stunden waren wir da.
Direkt an der Bushaltestelle lernte ich dann noch eine sehr sympathische Japanerin kennen. Wir unterhielten uns sehr gut, und ich war beeindruckt, wie gebildet sie ist. Waehrend der Fahrt sassen wir dann leider nicht zusammen, und sprachen uns nur in den Pausen. Als wir ankamen, drueckte sie mir ihre Visitenkarte in die Hand und bot mir ihre Hilfe an, wenn ich in Neuseeland mal welche brauchen sollte. Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Sie wohnt in Auckland, und dort werde ich sie bestimmt mal auf ein Getraenk einladen. Auf ihrer Visitenkarte stand dann auch endlich, was sie beruflich macht. Das hatte ich mich bei so einer gebildeten Frau schon die ganze Zeit gefragt. Abgesehen von NLP-Training ist sie auch Reiki-Meisterin. Spannend, oder? Ich sag euch, hier lernt man Leute so unglaublich einfach kennen. Heute in der Stadt ging einer an mir vorbei und meinte "Hi, how are you?" und nach drei Saetzen Small Talk gingen wir wieder getrennte Wege. Hier macht man das offenbar so - einfach ein paar lockere Worte austauschen und sich kurz unterhalten. Und wenn man nicht mehr mag, sagt man laechelnd "See you around!" und geht wieder weiter. Ein bisschen wie in den USA.
Einen kleinen Schock gab es bei meiner Ankunft dann doch: Ich hatte mein Hostel fuer den falschen Tag gebucht. In meinem Fahrtenbuch hatte ich die Daten und die Wochentage falsch eingetragen, und daher falsch gebucht, und so hatten sie mich aufgrund meiner Buchung schon gestern erwartet und hatten jetzt nichts mehr frei. Ich bin dann aber zum Glueck sofort in ein anderes Hostel gekommen, in dem ich jetzt bin. Hier ist das Internet kostenlos und ich wohne in einem reinen "female dorm", einem Schlafraum fuer sechs Frauen. Auch gut!
In Dunedin war ich eben schon unterwegs. Tolle Stadt! Richtig nett, und sehr huebsch. Ich konnte mir aufgrund von Lisas Beschreibung erst nichts vorstellen (was heisst schon "huebsch")?, aber jetzt, da ich hier bin, gefaellt es mir sehr. Es ist eine Studentenstadt mit schottischem Flair und viele Einkaufsmoeglichkeiten, und gotischen Kirchen. Ich hatte mir direkt schon zwei vegetarische Cafes ausgeguckt. Das eine hat leider fuer ein paar Wochen zu, aber das andere hat mich fuerstlich bewirtet. Und so war ich wieder ganz in meinem Element: In einer groesseren Stadt, warm angezogen, draussen schuettete es, und ich mampfte warm eingepackt am offenen Fenster mit Blick auf die schoene Stand einen veganen Gemuesekuchen, gefolgt von Bio-Lindeblueten-Limonade. Ach ja, ich bin halt ein Stadtkind.
Ausserdem habe ich nun auch ein neuseelaendisches Handy und kann endlich auch texten. Mein Leih-Handy ist wohl auf Telekom festgelegt, und so habe ich messerscharf geschlossen, dass es funktionieren muesste, wenn ich hier auch Telekom nehme (und das haben sie hier auch). Und es klappt!
Ihr Lieben, wieder ganz lieben Dank fuer's Mitlesen, und liebe Gruesse aus Dunedin!
Weiter geht's mit den Fotos von Christchurch. Der Eintrag ist hier, falls ihn jemand noch mal lesen möchte.
Auf dem Weg nach Christchurch war das der erste Zwischenstopp: Melbourne!
Die erste Mittagspause in Australien.
So
sah mein Rucksack während des Fluges immer aus. Das Einwickeln in Folie
ist wirklich einfach. Nehmt meinen Rat und kauft nicht die billigste.
Die teurere ist deutlich reißfester.
Und hier geht es weiter mit den Fotos aus Christchurch, meiner ersten Station in Neuseeland:
Ich war's nicht! ;-)
Die Container in der Einkaufsstraße - bei all den kleinen Nachbeben standen sie fest und sicher.
Ich liebe die Übersetzungen in Maori-Sprache.
Die Bridge of Remembrance.
Die Protestierenden gegen den Kapitalismus im Park.
Der botanische Garten.
Der City Council.
Eine Schaf-Postkarte. In Neuseeland ein Muss.
Die Tram, als es sie noch gab ... vor dem Erdbeben.
Neuseeländische Kiwis.
Die Kunstgallerie - natürlich geschlossen.
Lokale Kirschen. Teuer, aber lecker.
Die erste Bootsfahrt auf dem Avon.
Plakat zum Erdbeben.
Meine erste Tagestour auf die Otago-Halbinsel.
Beeindruckend synchron, die Möwen!
Hier
sind wir auf dem Boot während der Tagestour und versuchen krampfhaft,
die Delfine zu fotografieren, die uns die ganze Zeit begleitet haben.
Wie so oft: Kein Delfin, nur Wasser.
Und nach vielen, vielen erfolglosen Versuchen sind endlich ein paar Delfine auf dem Foto gelandet.
Das Wasser hatte wirklich diese Farbe.
Seelöwen. Oder Robben?
Meine Freundin Vikky! :-)
In Christchurchs einzigem offenen vegetarischen Restaurant gab es diesen hervorragenden veganen Käsekuchen samt Rohkosteis.
Neuseeländer haben die gleichen Pflanzen wie wir Europäer. Diese hier haben sooo toll gerochen.


























































































Du schreibst wirklich ganz toll. Man hat keine Sekunde Langeweile.
AntwortenLöschenIch finde es so spannend!
Ausser das mit dem Erdbeben, das ist mir schon wieder fast zu spannend *grusel*
Alles Liebe,
Kris