Montag, 6. Februar 2012

Neuseeland: Paihia



Seht ihr den kleinen gruenen Pfeil auf der Karte oben? Da war ich. :-) Nicht wundern, Paihia ist irgendwie nicht eingezeichnet, liegt aber unterhalb von Kerikeri. Nachdem ich ja eigentlich schon in Australien sein wollte, habe ich nun doch noch den Norden besucht. Ich fand, es war die Reise wert.

Sonntag, 5. Februar:
In aller Herrgottfruehe bin ich in Auckland aufgestanden, um zu packen und meinen Bus nach Paihia zu erwischen. Zum Fruehstueck gab es Durian - das macht fuer mich jede Pein ertraeglicher. Im Bus freute ich mich dann, zwei junge Frauen wiederzutreffen, die ich bisher nicht erwaehnt habe. Ich nenne sie innerlich "die arabischen Prinzessinnen". Die beiden sind vielleicht um die 20, ganz huebsch, zierlich und haben lange schwarze Haare. Und sie sind total nett und wirken eher wie zwei gute Feen. Wir haben uns schon im Bus nach Whitianga gesehen. Die beiden waren so schlau, direkt zum Hot Water Beach durchzufahren, der ja nur waehrend der Ebbe interessant ist. So konnten sie die Zeit dort direkt nutzen, waehrend wir muehsam trampen mussten. In Whitianga haben wir uns bei der Bootstour mit den Schweizern wiedergesehen. Die beiden Prinzessinnen sassen ganz schlau vorne im Schiff und hatten damit die Pole Position fuer Fotos. Und sie wurden nicht bei jeder Kurve nass wie wir armen Passagiere weiter hinten. Irgendwie hatten die beiden  Prinzessinnen (die uebrigens aus England stammen) es einfach drauf. Und waren dabei auch noch so nett! Ich war also sehr froh, sie im Bus wiederzutreffen. Wenn man sich das dritte Mal sieht, hat man das Gefuehl, man kennt sich schon ewig. So passten die beiden auf, dass der Bus nicht abfuhr, waehrend ich noch kurz zur Toilette rannte. In der Gruppe lebt es sich manchmal doch einfacher.
Waehrend der Busfahrt musste ich noch oft an die teils seltsame Comedy vom Vorabend denken und habe mich irgendwie schlecht gefuehlt. Ich habe daher extra viel an Byron Katie (eine Lehrerin aus den USA, die Uebungen zu Glaubenssaetzen entwickelt hat - ist weitaus besser, als es jetzt klingt) und ihre Uebungen gedacht, und danach ging es mir direkt wieder besser. Uah. Die Comedy war wirklich echt noch unter Mario Barth-Niveau. Schnell weg davon.


Auf dem Weg kamen wir an den Hundertwassertoiletten vorbei (siehe oben). Die sind hier irgendwo auf dem Weg, aber der Bus hielt dort nicht an. Schade, ne? Da haetten wir wirklich mal eine Erfrischungspause machen koennen, wie sie hier immer sagen.

Das Hostel in Paihia (Salt Water Lodge) war schoen und hatte grosse Raeume. Auf der Hinfahrt sass eine komische Frau hinter mir, die es schaffte, mir die ganze Zeit ihr Knie in den Ruecken zu rammen. Man sollte meinen, dass erwachsene Menschen das irgendwann merken, aber das war hier nicht der Fall. Als ich mich im Hostel eingerichtet hatte, kam genau diese Dame ins Zimmer und nahm das Bett neben mir. Argh. Nun denn, sie erzaehlte mir noch ihre halbe Lebensgeschichte (sie ist Journalistin, kommt aus Boston und hat ein paar Jahre in Deutschland gelebt und war dort mit einem Deutschen zusammen, und sie hatte am naechsten Tag Geburtstag). Merkt euch die Dame mal wieder, die kommt spaeter noch mal zum Tragen.



Paihia ist eine ganz kleine Stadt im Norden der Nordinsel. Viel ist hier nicht. Es gibt alles, aber es ist wirklich klein. Woran es nie mangelt, sind Anbieter von Bootstouren und Hubschrauberfluegen. Ansonsten ist hier trotz Hochsaison ein ruhiges Fleckchen Erde.
Wie ich schon in vorherigen Blogpost geschrieben habe, habe ich meine Bootstour dann doch nicht gemacht. Stattdessen war ich online und einkaufen, und ich habe Sarah noch mal kurz getroffen, und damit war der Tag auch wieder rum. Abends war ich frueh im Bett, um fit zu sein fuer die Cape Reinga-Tour am naechsten Tag.

Montag, 6. Februar:
Die Tour war wirklich der Hammer. Erst mal war Waitangi-Tag, ein nationaler Feiertag in Neuseeland zu Ehren des Geburtstages der Nation. An diesem Tag wurde im Jahre 1840 zwischen Maori und europaeischen Siedlern der Vertrag von Waitangi geschlossen (das liegt hier direkt um die Ecke). Dementsprechend war hier die ganze Zeit Programm. Und daraus folgte, dass wir auf der Tour nur zu 10 Personen waren, weil der Rest lieber den Waitangi-Tag feiern wollte. Und das Allerbeste war: Jan und Anne (meine Kindergartenfreundin) waren schon mal zwei davon! Relativ schnell hatte uns unser Fahrer Derek in "you three bloody Germans" die passende Anrede fuer uns gefunden. Ueberhaupt war Derek sehr lustig, und genau so, wie ich mir Australier und Neuseelaender vorgestellt habe (entspannt, lustig, hilfsbereit, nett, unrasiert, und singt beim Fahren). Ich erspare euch jetzt all die Infos, die wir zur Region erhalten haben. Derek erzaehlte wie eine Maschine. Ich hab's alles notiert, falls jemand sonst keinen Schlaf findet. ;-)
Als erstes fuhren wir zum Sandboarden. Es ist echt so wie auf den Bildern.




Eine Duene raufzulaufen ist sehr anstrengend. Ich war in Frankreich schon mal spasseshalber mit einer Freundin die Dune du Pilat raufgejoggt, was sich ungefaehr nach 14 Schritten erledigt hatte. Die Waden brennen, und die Lunge wenig spaeter auch. Allerdings hat Derek, das alte Schwein, seine gute Form raushaengen lassen, indem er weit vor uns oben war. Allein deshalb habe ich noch mal ein bisschen mehr Gas gegeben - wer laesst sich schon gerne von einem mittelalten Kiwi versaegen? Eben. Ein paar aeltere Damen sind ganz souveraen unten geblieben und haben sich Schritt fuer Schritt zur halben Duene raufgearbeitet und sind von dort gerutscht. Mangels steiler Duene bekommt man von da aber so gut wie keine Fahrt drauf.
Wenigstens konnte ich bergauf mit den drahtigen Maennern mithalten, die nach eigener Aussage regelmaessig joggen gehen (Jan und zwei namenlose Asiaten Anfang 20). Ha. Keine Sorge, mir macht sowas Spass.
Oben habe ich vier Minuten erst mal sitzen muessen und gewartet, bis das schlimmste Brennen in der Lunge nachliess. Dann ging es auch schon wieder Kopf ueber den Berg runter. Wir durften nur auf dem Bauch fahren, was wahrscheinlich auch gut war. Die Abfahrt war der Kracher. Ich wuerde es sofort wieder machen. Man rast auf dem Bauch die Duene runter und schiesst durch den Sand irgendwo auf einem gottverlassenen Zipfel einer Insel irgendwo am Ende der Welt. Ich bin total froh, dass ich es gemacht habe.
Jan und ich sind natuerlich noch ein zweites Mal rauf, und diesmal durften wir mit Anlauf auf unser Brett springen und so fahren (beim ersten Mal hat Derek unsere Bretter gehalten und uns langsam angeschoben).
Und wer es wissen will: Jan und ich waren auch ein drittes Mal auf der Duene. Ha. Jede Abfahrt wurde besser, weil man einfach die erste Angst und Unsicherheit verliert.
Dann war die naechste Station dran. Ich glaube, ich waere sonst den ganzen Tag so oft raufgeklettert und runtergebrettert, wie meine Lungen und Waden es noch hergegeben haetten.
Eine schoene Erinnerung an das Sandboarding war der hartnaeckige Sand, den wir noch Stunden spaeter in den Ohren und im Gebiss hatten. Ich glaube, erst die Dusche am Abend hat uns wieder komplett gereinigt.


Spaeter ging es dann zum Cape Reinga. Die Maori glauben, dass die Seelen der Verstorbenen hier noch drei Tage verweilen und dann fuer immer in die mystische Heimat der Maori, Hawaike, zurueckkehren. Es wird vermutet, dass Hawaike eine Insel war oder ist, die bei Tahiti liegt, da die jeweiligen Sprachen sehr starke Aehnlichkeiten haben.
Wir wurden von unseren mitfahrenden Passagieren mehrmals als Fotografen missbraucht und gewoehnten uns daher einen schnelleren Schritt an. Drei Asiatinnen waren voellig verrueckt und wollten mit uns das Foto aus dem Prospekt nachstellen. Darauf sieht man ein paar Jugendliche am Leuchtturm, und drei davon werden von den anderen auf den Schultern gehalten. Ich hatte mir schon gute Ausreden in Richtung Rueckenleiden ueberlegt, denn die Asiatinnen waren nicht so zierlich, wie man sie sonst kennt. Man muss ihnen zu Gute halten, dass sie auch nicht gesagt hatten, wer bei wem auf die Schultern sollte. Vielleicht wollten sie uns drei Germanen ja auch hochhieven.
Jedenfalls haben wir uns zum Glueck erst wieder am Bus getroffen und sind so alle beschaedigten Bandscheiben oder Stuerzen hintenueber ins Meer (vermutlich samt Reise der Seele nach Hawaike) entgangen.


Weiter ging es auf der Rueckfahrt zum 90 mile beach (90 Meilen Strand). Allerdings ist der Strand nur 64 Meilen lang. Mal abgesehen davon, dass Neuseeland schon lange das metrische System benutzt: Die lieben Menschen, die hier wohnten, hatten ueberschlagen, dass sie 30 Meilen am Tag gehen. Fuer den ganzen Strand brauchten sie drei Tage. Also musste der Strand 90 Meilen lang sein. 
Als dann mal jemand gemessen hat, kam die Schmach zum Vorschein. Allerdings muss das unser Geheimnis bleiben, denn die Australier haben einen 80 mile beach, und da muessen die Kiwis einfach den Anschein aufrecht erhalten, dass ihr Strand laenger ist. Ihr versteht. 
Man faehrt wirklich am Strand entlang, also auf dem Sand (siehe Foto unten). Das ist ein Vergnuegen, dass man im Mietwagen nie hat, einfach, weil es verboten ist. Es geht nur im Bus. Und es ist wirklich lustig! Unterwegs haben wir noch so komische Baellchen von Pflanzen gesammelt, die bei Ostwind auf den Strand geweht werden. Wir haben Fotos gemacht, wie wir die Baellchen hochwerfen und uns wahlweise reinlegen. Ach ja, Touristen eben.






Wieder zurueck im Hostel stellte ich fest, dass alle meine drei Zimmernachbarn abgereist waren. Ich sollte sie jedoch noch mal sehen, wenn auch in anderer Form und Verfassung. Jedenfalls hatte ich das Zimmer fuer mich alleine. Das ist einerseits schoen, weil man nicht so sehr auf seine Sachen aufpassen muss. Andererseits ist es fast ungewohnt, denn die letzten sechs Jahre habe ich immer mein Schlaflager mit Benjamin (hauptsaechlich) oder einer meiner Schwestern (hier vor allem im Zelt) geteilt. Wenn dann so gar niemand da ist, ist es auch komisch.
Um 21:00 Uhr trafen Jan, Anne und ich uns noch fuer einen letzten Drink. Wir gingen in ein Cafe (mit leider sehr unfreundlicher Bedienung und Management) und bestellten uns etwas. Mitten im Gespraech sah ich eine Frau sich auf die Couch neben uns setzen. Nach dem dritten Hinschauen erkannte ich, dass es die Journalistin aus Boston war. Allerdings war sie angetrunken und in einem Outfit und mit einem Make-up unterwegs, dass den meisten von uns zu Karneval zu gewagt waere. Aber gut, es war ja ihr Geburtstag. Sie torkelte nach einiger Zeit wieder von dannen. Wo sie uebernachtet hat, weiss man nicht. Aufgrund des Outfits kamen uns erste Ideen, die jedoch in diesem Blog nicht weiter ausgefuehrt werden koennen. Ach ja, in der Gruppe laestert es sich doch am besten.

Dienstag, 7. Februar:
Heute Morgen und Vormittag habe ich ausschliesslich mit der Buchung der weiteren Reise verbracht. Mann, das dauert aber auch. Nach gut drei Stunden des Rennens zwischen Touristeninformation, oeffentlichem Telefon und Internetcafe steht meine Route jetzt (siehe unten). Pikanterweise sass die Journalistin aus Boston mir im Internetcafe genau gegenueber. Wir taten beide taktvoll so, als haetten wir uns nicht gesehen. Hier ist jedenfalls die Planung fuer die naechsten Tage:

Dienstag, 7. Feb: 17-20h Busfahrt nach Auckland, Uebernachtung im Nomad's
Mittwoch, 8. Feb: 13h Mietwagen abholen und nach Waitomo fahren, Uebernachtung im Juno Hall
Donnerstag, 9. Feb: 10-15h Black Water Rafting in der Gluehwuermchenhoehle, spaeter Fahrt nach Whakapapa zum National Park, Uebernachtung im National Park Backpackers
Freitag, 10. Feb: Tongariro Alpine Crossing
Samstag, 11. Feb: Fahrt nach Auckland

Den Flug nach Australien muss ich dann noch auf den 12. oder 13. Februar umbuchen. Puh. Damit stuende dann der Rest der Neuseelandreise.
Besonders freue ich mich auf die Gluehwuermchenhoehle. Wir werden in Gummibooten durch die Hoehlen treiben und uns die leuchtenden kleinen Wuermchen anschauen (siehe Fotos unten). Und wir seilen uns 35m ab. Ha ha! Spass muss ein. Ich glaube, damit ist mein Abenteuerbedarf fuer die naechsten Monate dann auch erst mal wieder gedeckt.




Also, ihr Lieben, ich hoffe, ich konnte euch wieder ein klein wenig neidisch machen. Und drueckt mir fuer die Autofahrt die Daumen. Ich glaube, dass sowas hilft - schaden wird es jedenfalls nicht. Ich revanchiere mich zu Hause mit tollen Fotos!

Falls ich in den kleinen Orten kein Internet haben sollte, hoeren wir uns aus Auckland wieder, bevor ich abfliege.


Liebe Gruesse in die kalte Heimat!
Lissa









Hier wurde der Vertag zur Gründung Neuseelands geschlossen: Waitangi.

Eine Schokolade, die weder Milch noch Kakao enthält, und trotzdem extrem lecker ist. Auf die Hüfte geht sie aber trotzdem, das können selbst die Neuseeländer nicht verhindern. 

Die Bilder ab hier zeigen die Tagestour an die Nordspitze.

















































Ungefähr so viel konnte ich schon mal bequem wieder nach Hause schicken. Wahnsinn, oder? Man nimmt einfach immer zu viel mit ...

6 Kommentare:

  1. Lissa! Das klingt alles soooo wunderbar. Ich bin tatsächlich ein bißchen neidisch - aber andererseits auch nicht ;-)
    Schön, dass du immer so ausführlich berichtest. Genieß es weiterhin, ay?
    Die Fruchtschnitte

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  2. Klar bin ich neidisch ;o)

    Besonders auf die Dünen und das Abseilen. Ich liebe sowas.
    Aber es klingt einfach alles toll.

    Du solltest ein Buch schreiben, ich mag deine Art zu schreiben einfach total gerne. Man ist einfach irgendwie mit dabei, auch wenn man am anderen Ende der Welt hockt.

    Lieben Gruß
    Kris

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  3. @Fruchtschnitte: Jetzt reiss dich aber mal zusammen, wie kann man denn da nicht 100% neidisch sein? ;-)) Aber versprochen, ich geniesse die restliche Zeit noch, ay. Sweet!
    Ganz liebe Gruesse!

    @Kris: Wie lieb von dir! Wenn ich endlich das geeignete Thema finde, schreibe ich vielleicht wirklich ein Buch. Mir macht das riesigen Spass.
    Frankreich hat fuer Duenen und Abseilen auch sehr viel zu bieten. Vielleicht muessen wir zwei mal eine Fruchtreise dorthin organisieren und den ganzen Tag Obst essen und irgendwo runterduesen. :-)
    Ganz liebe Gruesse!

    Lissa

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  4. Oh ja...das wär cool!
    Zur Melonen Zeit ja?

    Lieben Gruß
    Kris

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  5. Ja stimmt, das hatte ich gar nicht auf dem Schirm, aber im August ist das Melonenfest in Cavaillon. Ich glaube, da kann man echt mal ein paar Mono-Tage einlegen. Hach. Schoen. :-)

    Dieses Jahr koennte es echt klappen bei mir. Ich muss mal gucken, nicht, dass das Fest mit Wacken kollidiert?! Ansonsten koennen wir echt mal darueber nachdenken, wenn wir uns gleichzeitig zu Hause loseisen koennen. :-)

    Liebe Gruesse
    Lissa

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  6. Ach ja, Mist...Melonen und Wacken liegen zumindest eng zusammen.
    Wacken ist in der ersten August Woche und in der zweiten ist hier Einschulung.

    Mal sehen, was dann noch geht.

    In Spanien ist dieses Jahr auch ein Fruchtfestival, ich glaube, im September. Ich hab heute gerade 8 Honigmelonen im Angebot gekauft.
    Ich mach diese Woche auch Melonenfestival.

    Lieben Gruß
    Kris

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