Freitag, 10. Februar 2012
Neuseeland: Tongariro National Park
Kann man es glauben? Der Tongariro National Park war meine letzte Station in Neuseeland.
Wer den Bericht zu den lustigen Gluehwuermchenhoehlen vom Vortag noch lesen moechte, klickt hier, der ist auch neu.
Freitag, 10. Februar:
Um 7:15 Uhr kam unser Shuttlebus und fuhr uns zum Ausgangspunkt der Reise. Losgewandert bin ich mit Desiree, die ueber mir geschlafen hatte. Da wir aber unterschiedliche Wandergeschwindigkeiten haben (was soll ich sagen, sie nennen mich nicht umsonst "die Bergziege"), haben wir uns nach einer guten Stunde getrennt. Wanderungen sind, aehnlich wie Laeufe, immer spannend. Wer wird zuerst da sein? Wie teilt man sich seine Kraefte ein? Ich kann manchmal nicht anders, als andere ein bisschen zu necken, vor allem Maenner. Als ein junger Mann in voller Ausruestung samt Wanderstoecken relativ frueh fragte, ob er uns mal endlich ueberholen duefte, habe ich gesagt, dass er das natuerlich duefte, und dass ich oben auf ihn warten wuerde. Denk daran, dir deine Energie einzuteilen, Bursche! Ich habe sooooo breit und bloed gegrinst, als ich Desiree eine Weile hinter mir gelassen hatte, den Mann eingeholt hatte und endlich sagen konnte: "Darf ich mal durch?". Ich habe nicht "lahme Socke", "junge Frau" oder "Schattenparker" hinzugefuegt, wohlgemerkt. Ich hab mich zusammengerissen. ;-) Hach, was habe ich an so einfachen Dingen doch einen Spass.
Ab dann habe ich nur noch ueberholt. Ich hatte ein gutes Tempo drauf, und das habe ich auch gut durchgehalten. Ziemlich lange war eine coole Oma vor mir, die echt fit ist. Ich hatte den dazugehoerigen Opa schon ueberholt, aber an der Oma habe ich lange geknapst. Irgendwann haben meine 40 Jahre juengeren Waden aber doch den Ausschlag gegeben.
Die Tour gehoert zu den neun grossen Wanderungen in Neuseeland und gilt als eine der schoensten. Ich habe, glaube ich, nur eine andere Wanderung von den neun gemacht (den Abel Tasman National Park, das mit dem Kajak), und fand beide ganz toll. Diese Wanderung war ganz besonders, weil man riesige Berge und unfassbar grosse Plateaus sieht, die von Wolken umringt werden. Abgeloest wird die Szenerie von smaragdgruenen Seen, dampfenden Schwefelquellen und jahrhundertealtem Lavagestein. Wunderschoen. Einer der Berge koennte Mordor aus dem Herrn der Ringe sein - ich bin mir da aber nicht sicher.
Oben auf dem Gipfel ist es furchtbar kalt und es fegt ein eisiger Wind. Ich war sehr froh ueber meine Jacke und meine geschlossenen Schuhe, obwohl es unten im Dorf noch ziemlich warm war.
Speziell fuer Berni: Gestartet sind wir bei ca. 700 Hoehenmeter und sind ganz zu Anfang rauf auf 1800m. Da es ein so kurzes Stueck war, war das der mit Abstand anstrengendste Part der Tour.
Zwischendurch bin ich an einem steilen Abhang mit losen Steinen ein mal kurz ausgerutscht. Ich hatte meine Joggingschuhe an, die natuerlich keine Wanderschuhe sind und kaum Profil haben. Erst Minuten spaeter sah ich, dass meine halbe Hand (und zwar wirklich meine halbe Hand) voller Blut war (das ich mir praktischerweise noch schnell an die Hose geschmiert hatte, als ich der hochgeschreckten Wanderin vor mir zurief "Upsi, nichts passiert"). Ich spuelte meine Hand mit etwas Trinkwasser sauber und verarztete mich sofort fachmaennisch mit dem nicht brennenden Desinfektionsspray meiner treusorgenden Mutter und meinem kleinen Erste Hilfe-Set. Auf den Schreck habe ich dann erst mal am Smaragd-See (siehe erster gruener See auf dem Bild oben) eine Pause gemacht und zu Mittag gegessen.
Und dann ging es auch schon weiter. Ich hing auf dem Rest des Weges so vielen Leuten im Nacken, dass sich manche ein paar Mal hektisch umdrehten und irgendwann fragten "Sollen wir Sie mal lieber durchlassen?". Ich dachte nur: "Nennt mich 'el animal'. Und: Ja" und bin freundlich nickend davongezogen. Ich weiss nicht, warum es mir so einen Spass macht, schneller zu sein als jemand anderes. Letzten Endes ist es ja wirklich egal und die Wanderung soll Spass machen. Aber mir macht sie einfach noch mehr Spass, wenn ich jemanden dabei versaegen kann (vor allem, je juenger, fitter und maennlicher derjenige ist, und je weniger ich dabei schnaufen muss, sondern souveraen vorbeiziehen kann). Naja, gebt mir noch 30 Jahre, dann ist der Kinderquatsch auch vorbei. Aber wie mein Vater so schoen auf einem T-shirt (?) stehen hat: Es ist voellig egal, ob man gewinnt oder verliert. Solange man gewinnt.
Gegen Ende der Tour hing ich laenger ein paar jungen Skandinavierinnern an den Fersen (die aber von der Tour waren, die vor uns gestartet war). Hinter uns hoerte ich irgendwann zwei Jogger. Die beiden riefen schon auf die Entfernung, dass wir sie durchlassen soll. Ich habe ein unfassbar cooles und effizientes Ueberholmaneuver eingeleitet, indem ich mich direkt an den ersten Jogger drangehaengt habe, als die Maedels zur Seite gegangen waren. Ein Stueck bin ich mitgejoggt, aber die Jungs waren verdammt schnell, hatten kein Gepaeck (im Gegensatz zu mir), und das Gelaende war voller Wurzeln. Meinen Knoechel und einen meiner teuren Zaehne wollte ich dann doch nicht riskieren. Nicht, wenn ich noch ueber 6 Wochen Urlaub vor mir habe. Die beiden habe ich dann guten Gewissens ziehen lassen.
Tja, soll toll, wie das alles klingt, habe ich es dann aber gar nicht gemacht. Ich hatte angenommen, dass man unten zur Toilette und sein Wasser auffuellen koennte. Konnte man aber nicht. So sass ich noch zwei Stunden in der prallen Sonne, hatte Durst und musste mal. Ich bin dann irgendwann wohl oder uebel auf eins der unfassbar stinkenden Dixie-Klos ohne Spuelung gegangen und habe den Durst ausgehalten und gemerkt, dass ich langsam Kopfschmerzen bekomme. Ich hatte zwar alle ueberholt und war die Erste aus meiner Gruppe, aber sass jetzt auch nur unten am Busfahrplatz rum. Hm.
Irgendwann trudelte dann aber langsam der Rest ein, und wir fuhren mit einem der frueheren Busse wieder zum Hostel. Auf dem Weg sagte unser Hostelvater, dass die Wasserleitung kaputt sei. Wir sollten unser Duschzeug holen und in 10min wieder am Bus sein. Zum Duschen fuhren wir dann in ein anderes Hostel. Die Japanerinnen hatten in den Duschen irgendwie ihre (ebenfalls japanischen) Reisefreunde erkannt (wie auch immer, keine Ahnung), und wir riefen ihnen, instruiert von unseren japanischen Mitwartenden an der Dusche, irgendwann als Gruppe "Hajake, hajake!" zu, was so viel heisst wie "beeil dich, beeil dich!". Die meisten Situationen werden auf solchen Reisen doch immer lustig.
Zum Hostel kam ich dann mit den ersten 1,5 Litern Wasser im Bauch, einer mini Schramme an der Hand, einer dreckigen Hose und dem elektrisierenden Gefuehl, als Erste aus meiner Gruppe und im ersten Drittel der Gruppe vor uns angekommen zu sein.
Nach dem Essen fielen wir alle rueckwaerts in unsere Betten.
Samstag, 11. Februar:
Heute Morgen bin ich um 7:00 Uhr losgefahren und war dann um 12:00 Uhr an der Abgabestation (90min, bevor ich den Wagen abgeben musste, aber man weiss ja nie). Ich war noch ganz schoen muede von der Wanderung gestern und musste mich beim Fahren echt konzentrieren. Verantwortungsbewusst habe ich nach zwei Stunden am Strassenrand 10min gehalten und ein bisschen gedoest. Das hat wirklich geholfen, und den Rest konnte ich so durchfahren. Was war ich froh, dass alles so gut geklappt hat. Einen Tag vor meinem Abflug nach Australien haette ich jetzt auch echt keinen Bock mehr auf geplatzte Reifen etc. gehabt.
Ich habe mir dann 9 Packungen Durian gekauft (3 Mahlzeiten), die auch noch runtergesetzt waren (hurra!). "Richtig" essen war ich dann noch mal in dem veganen Restaurant, in dem ein Meditationsvideo lief. Ich muss wieder damit anfangen. Ich habe das eine Zeit lang mal gemacht und fand es ganz toll, aber es ist so wie mit dem Sport: Sobald man viel zu tun hat, faellt das leider als erstes raus.
Im Hostel habe ich dann 2h geschlafen und weiterhin viel Wasser getrunken (immer noch etwas ausgetrocknet von gestern, aber langsam geht es).
Mittlerweile sitze ich im Internetcafe, tippe diese Zeilen und geniesse meine letzten Stunden in Auckland.
Kann man es fassen? Damit endet das Kapitel "Lissa bei den Kiwis". Knapp 5 Wochen habe ich mir jetzt Neuseeland angeguckt und werde dazu noch mal einen eigenen Eintrag schreiben.
Willkommen dann ab morgen im Kapitel "Lissa bei den Matildas" (so heissen die Australier), was die naechsten 5 Wochen dominieren wird. Teilweise wird es wohl nur heissen "Lissa am Strand", denn in Australien gibt es ganz viele davon, und ich mag Straende so sehr. Und ich muss mir wirklich nicht vorwerfen, hier in Neuseeland nichts gemacht zu haben. So viel Aktivitaet braucht auch ihren Ausgleich. In Australien werde ich es planmaessig weitaus ruhiger angehen lassen. Und dort habe ich auch nur 5 grosse Stationen (hier in NZ waren es 13).
Vergessen habe ich beim Blogpost vorhin, dass ich am Abend vor der Wanderung noch Nathan, einen australischen Regierungsbeamten, kennengelernt habe, der mir Australiens Hauptstadt Canberra zeigen wird, wenn es zeitlich passt. In Brisbane werde ich meine Frucht-Freundin Michelle (fuer die Obstgruppe: "Erthmum" heisst sie im Forum) und Anne Osborne treffen. Und in Melbourne treffe ich vielleicht noch mal Edwina, die mich damals in Bangkok schon an die Hand genommen hatte. Es wird in Australien also wohl etwas gemuetlicher mit weniger Stationen und noch mehr spannenden Menschen, die ich treffe. Und ich bekomme morgen wieder ein paar Stunden geschenkt, da Australien ein paar Zeitzonen weiter westlich liegt. Damit bin ich schon wieder naeher an zu Hause und habe das Ende der Welt hinter mir gelassen!
Jetzt bin ich muede und werde noch kurz meinen Online Check-in fuer den Flug morgen machen und dann zurueck zum Hostel gehen.
Ganz liebe Gruesse nach Hause, besonders an meine liebe Kollegin Steffi, die mit ihrem Mann in ein paar Tagen auch hierher fliegt. Ich wuensche euch superviel Spass, eine tolle Zeit zusammen (die ihr euch mehr als verdient habt), und eine wunderschoene Zeit hier down under!
Lissa
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Kommentare zum Post (Atom)






























Ach komm, warum sollte man bei sowas je erwachsen werden wollen?
AntwortenLöschenMan muss ja nicht unbedingt lautstark *überholt* schreien...aber denken kann man es doch!
Ich mache das auch und die kleinen Freuden und Motivationen im Leben sollte man sich doch echt erhalten!
Alles Liebe für Australien,
Kris
Hehe, echt, findest du das nicht bloed? Da bin ich beruhigt. Mir kam es immer so vor, als hielte man sich damit besser zurueck. Aber stimmt, innerlich freut man sich eigentlich immer ueber sowas. ;-)
AntwortenLöschenLiebe Gruesse!
Lissa
Du, mein Vater ist 65 und gerade in Rente gegangen und der grinst sich gerade immer noch einen, wenn er beim Eishockey die Jungs versägt.
AntwortenLöschenSowas hält anscheinend und jung und fit, denn er ist immer noch schneller als ich auf dem Eis, wenn es drauf ankommt.
Lieben Gruß
Kris