Donnerstag, 2. Februar 2012

Neuseeland: Whitianga




Waehrend ich weiterhin gluecklich in Auckland sitze, kommt hier der Eintrag zu Whitianga. Ich muss dazusagen, dass ich die Coromandel Region (so heisst der Abschnitt Neuseelands) fast weggelassen haette. Ich bin aber sehr froh, dass ich doch dort war. Es war, hach, mal wieder ganz toll.

Sonntag, 29. Januar:
Heute war von ca. 11:00 bist 17:00 Uhr wieder Busfahren angesagt. Beim Warten auf einen der Busse fiel mir auf, dass manche Autos hier Aufpussgase ausstossen, die wir zu Hause vermutlich vor mehreren Jahrzehnten verboten haben. Lustig, denn die Kiwis sind alle so auf Umweltschutz bedacht. Andererseits scheint ihnen das die Begasung in der Innenstadt egal zu sein. Ich bin deshalb mit meinem Gepaeck fuer 10min an eine andere Stelle gefluechtet - damit war ich aber auch die einzige. Der Rest hat es irgendwie ausgehalten. Keine Ahnung, Rotorua ist irgendwie anders. Der Schwefelgeruch hat bei den meisten vermutlich schon die Geruchsnerven betaeubt.
Da heute ausser Busfahren nicht viel los war, moechte ich dazu ein paar Worte loswerden. Mir kam zu Ohren, dass meine Beschreibungen der Busfahrten klaengen, als waeren sie mit der beste Teil der Reise. Was ich immer elegant verschweige, sind Tatsachen wie: Man darf eigentlich weder Essen noch Trinken (!) auf der Fahrt. Die meisten Fahrer erlauben einem aber Wasser, und manche sogar kaltes Essen, solange man keine Schweinerei veranstaltet. Letzten Endes macht das laengere Fahrten einfach etwas unkomfortabel. Ausserdem gibt es auch nicht immer Toiletten in den Pausen. Oft haelt man irgendwo an, aber laedt nur neue Passagiere ein und ein paar steigen aus. Zur Toilette kann man nur alle paar Stunden. Die Fahrer sagen einem das aber fairerweise vorher, wenn wieder laenger nichts kommt. Naja, man faehrt eben preiswert! Die Fahrten sind aber generell wirklich ok, und in der Regel lernt man immer jemand Spannendes kennen (der meistens auch auf Klo muss oder Hunger hat).
Als ich in Whitianga ankam, war ich sehr froh, dass ich mein Hostel "The cat's pyjamas" gebucht hatte. Das war wirklich wunderschoen. Ich habe mich sehr wohl gefuehlt, und die Leute waren wirklich sehr nett. Ich hatte im Bus schon Sarah aus Stuttgart kennengelernt, die schon mehrere Monate in Australien  gewesen war und daher viele gute Tipps auf Lager hatte. Ich habe meine Strecke daher noch mal geaendert. Das ist das Gute an diesen Reisen, man ist so unabhaengig, dass man wirklich spontan machen kann, wonach einem der Sinn steht.
Abends war ich noch am Strand von Whitianga, der aber echt klein ist. Danach traf ich Sarah noch mal, und wir planten unsere Aktivitaeten fuer den naechsten Tag. Was nicht einfach war, denn so schoen die Region auch ist - als touristisch wirklich erschlossen kann man sie nicht bezeichnen.
Abends haben wir nach dem Essen noch Jenga gespielt (jeder zieht einen Holzklotz aus einem Turm, bis der Turm faellt) und dann ging es in mein erstes 8er-Zimmer (Hilfe ...). Es war aber trotz der totalen Ueberfuellung sehr lustig und hatte mal wieder ein Klassenfahrtsfeeling. Das lag an den tollen Maedels. Ich fand wirklich jede einzelne sehr nett, was bisher nicht immer der Fall war. Ich hatte das auf der Tour bisher zwar selten, aber ich habe auch schon Leute getroffen, die ich einfach nur unsympathisch fand. Ueber die schreibe ich nur sonst nicht, denn ich finde es nicht so wichtig. Aber es gibt sie, und Tage, an denen man nur tolle Leute trifft, sind daher immer besonders schoen und erwaehnenswert.
Erwaehnenswert ist uebrigens auch die pechschwarze Hostel-Katze, die immer herumlief und die auch gerne mal in unseren frisch gemachten Betten geschlafen hat (oder auf dem TV-Receiver, ich weiss gar nicht, was ich besser fand).

Montag, 30. Januar:
Morgens habe ich dann zum ersten Mal seit meinem Abflug zu Hause meine Mutter telefonisch erreicht. Wir haben dann stundenlang nachgeholt, was wir bisher nicht besprechen konnten. Unfassbarerweise war meine Telefonkarte danach immer noch nicht leer. Und die Verbindung ist so gut, als riefe man von Duesseldorf aus zu Hause an. Da gibt es wirklich keinen Unterschied.
Die gute Anne von der Rezeption (die mit viel Herzblut dieses schoene Hostel ganz alleine fuehrt) hatte uns fuer heute eine kleine Bootstour gebucht. Den Vormittag haben Sarah und ich also auf dem Wasser verbracht. Das Wetter haette ein klein wenig sonniger sein koennen, aber schoen war es trotzdem. So bloed es klingt, aber vom Wasser aus sieht alles wirklich noch mal ganz anders aus. Und die Hoehlen kann man oben von den Klippen aus oft gar nicht sehen! Wir fuhren gemeinsam mit einer Familie aus der Schweiz, und das kleinere Kind stellte begeistert fest, dass es uns verstehen konnte, wir aber im Gegenzug das Schweizer Deutsch nicht. Ich weiss nicht, woher die Familie genau kam, aber selbst mit meinem linguistischen Hintergrundwissen war ich chancenlos. Naja, Hauptsache, das Kind hatte Spass. :-)
Zum Mittagessen huschten wir schnell ins Hostel, wo ich unter Annes fachmaennischer Anleitung auch meine Waesche in der Maschine gewaschen habe. Getrocknet ist alles in der neuseelaendischen Sonne auf der guten Hostel-eigenen Waescheleine.


Sarah und ich sind danach direkt wieder los, um den Rest des Tages in all den Buchten suedoestlich von Whitianga zu verbringen. Auf der Karte oben seht ihr Whitianga rot markiert. Von dort aus sind wir mit der Faehre ueber das Wasser auf die andere Seite der kleinen Bucht. Wir haben uns dort zuerst Cathedral's Cove angesehen, eine Felsenhoehle und damit wieder eine Laune der Natur, die wirklich so toll aussah wie auf dem Bild hier:



Wir gingen dann zu Fuss weiter in Richtung Hot Water Beach, eine der Attraktionen hier in der Region. Da der Weg zu Fuss zu lang war, sind wir dann tatsaechlich ein Stueck getrampt. Unsere gute Hostelmutter Anne hatte uns gesagt, dass man das hier problemlos machen koennte, und Annes Tipps waren auch vorher immer sehr gut und zutreffend. Und wir waren zu zweit. Ha. Also haben wir auf dem Parkplatz die einzigen Leute angesprochen, und wie es sich heraussstellte, wollte eine Dame sowieso zum Hot Water Beach fahren. Wie sich auf der Fahrt weiterhin zeigen sollte, gehoerte ihr die grosse Villa am Strand, und ausserdem das Geschaeft dort und frueher auch der Campingplatz. Ups. Man merkt den Menschen hier ihren Reichtum wirklich nicht an. So brachte uns die gute Frau zum Hot Water Beach, zeigte uns kurz ihr Haus samt Mann und Sohn und gab uns alle wichtigen Erklaerungen mit auf den Weg.
Den Mann haben wir spaeter am Strand gesehen, denn er und der Sohn sind hier Rettungsschwimmer und wurden vom neuseelaendischen Fernsehen gefilmt. Ausserdem sprang mir der kleine Junge aus der Schweiz von der Bootstour am Morgen auf einmal auf den Schoss und erzaehlte mir begeistert, dass er uns schon von Weitem gesehen hatte. Beim vierten Mal habe ich es dann verstanden. ;-) Mit der Zeit hatten wir unseren Kommunikationsstil gefunden: Er sagte mehrmals seinen Satz, und wenn ich glaubte, etwas verstanden zu haben, sagte ich es auf Hochdeutsch. Wenn es richtig war, nickte er begeistert. So schoen kann Voelkerverstaendigung sein. Wie es immer ist: Als wir diese Strategie gerade etabliert hatten, haben wir uns danach natuerlich nicht mehr gesehen.


Hier sieht man endlich den Hot Water Beach. Es gibt hier im Meer heisse Stroemungen. Zu denen kann man sich im Boden aber nur vorgraben, wenn Ebbe ist. Zwei Stunden vor und zwei Stunden nach Ebbe liegt das Stueck Strand frei, an dem man das heisse Wasser findet. Und es ist wirklich nur ein kleines Stueck Strand. Umso lustiger ist es, dass man schon auf die Entfernung sehen kann, dass sich dort ein riesiger Pulk Menschen tummelt, alle ausgeruestet mit Schaufeln, die dort emsig Loecher in den Sand graben und dann neugierig ihre Zehen ins Wasser halten.
Diese Stroemungen sind in Punkte Hitze nicht zu unterschaetzen. Sarah und ich sind nacheinander mal in die Menge spaziert und haben einfach bei anderen Leute mitgebadet (eine immer bei den Rucksaecken, die andere in der heissen Quelle). An einer Stelle haben wir uns echt verbrannt. Das Wasser war so heiss, als haette man sich kochendes Wasser auf den Fuss gegossen. Au! Ansonsten ist das Wasser warm, oder an manchen Stellen auch schon wieder kalt. Aber ein Spektakel ist es allemal.
Abends ging es dann muede zurueck, und wir wussten schon, dass keine Busse mehr fuhren (daher auch meine kleine Beschwerde, dass man die Region infrastrukturell wirklich besser erschliessen koennte - waehrend der Ebbe sind alle am Strand, aber kommen nicht mit dem Bus wieder zurueck). Wir sprachen drei nette junge Herren (mit Auto) aus Deutschland an, und fuer eine von Sarahs Zigaretten und natuerlich unsere reizende Gesellschaft fuehren uns die Jungs dann wieder zurueck zur Faehre.
Auf der Faehre waren wir dann die einzigen Passagiere, und die Ueberfahrt dauert vielleicht 40 Sekunden oder so. Man hat kaum Zeit, seine drei Dollar zu zahlen.
Der einzige Supermarkt der Stadt hatte leider schon zu, uns so haben Sarah und ich zusammengeworfen, was wir noch hatten, und was noch an "free food" im Hostel stand. Die "free foods" sind die Sachen, die die Leute hierlassen, weil sie sie nicht mehr mitnehmen koennen oder wollen. Und so hatten wir am Ende ein tolles Nudelgericht (Sarah) bzw. Reisgericht (Lissa) mit einer seltsamen Sauce, die alles enthielt, was unsere Vorraete noch hergaben. Sie schmeckte irgendwie nach Suesssauer-Sauce, aber so richtig einordnen konnten wir es nicht. War ja auch egal.
Ich jagte final die Katze durch's Hostel, die sich dann auch brav streicheln liess, packte meinen Rucksack, und kletterte ein zweites und leider damit auch letztes Mal in mein Bett (irgendwie schlafe ich immer oben, verdammt), um auf der durchgelegenen und auch durchhaengenden Matratze die ganze Nacht lang das Haengemattenfeeling im 8er-Zimmer zu geniessen. Ich freu mich auch wieder sehr auf zu Hause, aber man muss sowas mal gemacht haben. ;-)
Die Coromandel Region war einfach toll. Kein Wunder, dass sich hier Kuenstler, Kreative, Konzernchefs und Hippies angesiedelt haben. Und natuerlich die mittlerweile 1,5 Millionen Aucklander, die hier an ihren freien Tagen entspannen. Wuerde ich auch. Und ihr auch, wenn ihr hier waert. Man muss schon Strandhasser sein, um an dieser Region nichts zu finden, glaube ich.

Ich hoffe, damit ein bisschen Werbung fuer die Region gemacht zu haben, und ausserdem fuer das ueberdurchschnittlich gute Hostel "The cat's pyjamas" - mit Katze!

Viele liebe Gruesse aus dem heute verregneten Auckland
Lissa





Wieder speziell für ♥ Benjamin ♥

Die meines Erachtens einzig ehrliche Art, Tiere zu essen: Selbst ohne Werkzeuge fangen und zubereiten. Diese beherzten Muschelsammler gehen mit gutem Beispiel voran.



Die Hostelkatze Lucy

Auf der Bootstour





Cathedral Cove

Sieht der Felsen nicht aus, als hätte man ihn aus Cathedral Cove herausgeschnitten und umgedreht?


Ich meine, dieser Felsen hieß Shakespear Rock


Bitte beachtet die faszinierende Farbe des Felsens links oben im Bild. So wie auch auf den nächsten Bildern!






Die "arabischen Prinzessinnen" vorne im Boot - aus Datenschutzgründen nur von hinten.



Aus einer Höhle nach oben fotografiert.

Na, wer entdeckt die Miezekatze? :-)

Und noch mal zur Cathedral Cove, diesmal zu Fuß und auf dem Landweg.











Der Hot Water Beach. Es ist nicht wirklich schwierig zu erkennen, wo genau das heiße Wasser ist, oder? ;-)



10 Meter neben dem Spektakel: Ruhe und Abgeschiedenheit.

Aus Datenschutzgründen auch wieder nur von hinten: Der kleine schweizer Junge.

Der Mann unserer "Fahrerin" samt Fernsehteam.


Die Villa unserer "Fahrerin"

Auf dem Rückweg von der Fähre aus fotografiert.

Da saß die Katze Ewigkeiten lang. :-)

1 Kommentar:

  1. Hi Lissa,

    mir gefällt am Besten die Höhle, zumindest auf den Bildern. Auch mit diesem Felsen, der da im Wasser steht.

    Bei den Bildern vom Strand gruselt ich mich eher...zu voll ^^
    Aber vermutlich ist das ja auch nur da, wo die Quellen sind.

    Ich finde die Namen immer so schön, die die Städte haben.

    Liebe Grüße,
    Kris

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